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Waterloo im Battle for Talents?

Der Wettbewerb um junge, gut ausgebildete Fachkräfte ist besonders ausgeprägt. Sowohl die Recruitingkosten einerseits als auch die Wertschöpfung andererseits sind bei dieser Mitarbeitergruppe mit Abstand die höchsten.

Zudem zeigen Studien immer wieder deutlich, dass auch der Abwerbedruck, u. a. durch Headhunter und die generelle Wechselbereitschaft in dieser Mitarbeitergruppe, sehr ausgeprägt ist.

D. Lewkowicz   DIOMEDEA AG

Vor diesem Hintergrund legen viele Unternehmen für diese Zielgruppe umfangreiche und entsprechend teure Attraktivitäts- und Bindungsprogramme auf. Vor allem Programme zur Förderung junger Familien und zur Kinderbetreuung sind beliebt, weil diese sehr gut ankommen.

Einfache Beratungsfehler, wie im nachfolgend geschilderten Fall, können jedoch schnell alle Bemühungen der Unternehmen zunichtemachen.

Der Fall:

Die 35-jährige Entwicklungsleiterin für Automatisations- und Handlingsysteme in einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen verabschiedet sich in den Babyurlaub (Elternzeit). Der Personalleiter wünscht ihr alles Gute und hofft, sie in einem Jahr wieder hoch motiviert bei der Arbeit zu sehen. Um dies zu ermöglichen, wurde bereits ein Kitaplatz organisiert, den das Unternehmen sogar vollständig zahlt.

Im Rahmen der normalen Routine wird im Vorfeld die Lohnbuchhaltung informiert. Da die Entwicklungsleiterin eine  betriebliche Altersversorgung über Entgeltumwandlung abgeschlossen hat, informiert das Lohnbüro den Versicherer über die entgeltfreie Zeit und der Vertrag wird entsprechend bis zum Wiedereinstieg beitragsfrei gestellt.

 

 

Nach einem halben Jahr flattert plötzlich eine Forderung auf Schadensersatz in Höhe von 457.200 € wegen fehlender bzw. fehlerhafter Beratung vom Anwalt der Entwicklungsleiterin ins Haus.

Was ist passiert?

Leider gab es bei der Geburt Komplikationen. Aufgrund einer Infektion, die zu einem schweren Organschaden geführt hat, ist die Mitarbeiterin dauerhaft berufsunfähig!

Die beitragsfrei gestellte betriebliche Altersversorgung enthielt neben der Altersrente auch eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente von rd. 1.200 €, die für den Zeitraum der Beitragsfreistellung auf nahe 0 abgesenkt wurde.

Dies wurde ihr bei der Abmeldung in die Elternzeit leider nicht mitgeteilt, anderenfalls hätte sie den Vertrag aus eigenen Beiträgen fortführen können, um den Versicherungsschutz zu behalten!

Bewertung

Auch wenn das Ergebnis offen ist – aufgrund eines kleinen Verwaltungs- und Beratungsfehlers steht ein Schaden von mehr als 450.000 € im Raum, über den vermutlich letztlich ein Gericht entscheiden muss!

Deutlich schlimmer ist in diesen Fällen jedoch -und zwar unabhängig vom gerichtlichen Ausgang- der Schaden an der Arbeitgebermarke des Unternehmens bei der umworbenen Mitarbeiterzielgruppe.

Dieser resultiert insbesondere aus der extrem guten Vernetzung dieser Gruppe, die sowohl positive als auch negative Erfahrungen und Erlebnisse überregional oder sogar international schnell verbreitet.

Schutz hiergegen bietet nur:

  • eine professionelle Beratung der Mitarbeiter – vor allem bei Veränderungen und
  • deren gerichtsfeste Dokumentation

Problematisch ist dies somit vor allem für Unternehmen unterhalb von 800 – 1.000 Mitarbeitern, da sie in der Regel zu klein sind, um diesen Prozess wirtschaftlich sinnvoll selbst zu organisieren und personell auszustatten.

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