Artikel empfehlen: Email this to someone

Zum aktuellen plusminus Beitrag:

Lohnt sich betriebliche Altersvorsorge überhaupt?

 

Seit einige Tagen erhalten wir eine Reihe von Nachfragen von Mitarbeitern und Partnern zu einer aktuellen plusminus-Sendung zur betrieblichen Altersvorsorge.

 

Mit Interesse haben wir den Beitrag verfolgt. Sie finden ihn in der Mediathek der ARD unter folgendem Link:

 

Stärkung der Betriebsrente

 (verfügbar bis 13.09.2018)

Der Beitrag greift das aktuelle „Betriebsrentenstärkungsgesetz“ auf, beschäftigt sich letztlich aber mit dem alten Thema, ob sich betriebliche Altersvorsorge über Entgeltumwandlung überhaupt lohnt. Vor allem der Aspekt, dass Entgeltumwandlung das sozialversicherungspflichtige Einkommen senkt, wird dabei kritisch betrachtet. Denn dadurch zahlt der Entgeltumwandler weniger in die Rentenkasse ein und erhält entsprechend auch weniger gesetzliche Rente. Kann die betriebliche Altersvorsorge diesen Nachteil auffangen? Der Beitrag von plusminus meint pauschal: Nein. Vielmehr würden die Arbeitnehmer, die aktuell Teile ihres Gehalts verwenden, um betrieblich für die Rente zu sparen, einerseits die aktuellen Rentner benachteiligen und andererseits selbst „Miese“ machen.

Die Geschichte muss aber vom Anfang erzählt werden:

RA Falk Mäde-Heck (Syndikusanwalt) & Christian Bulik (Volkswirt, Experte bAV DMA)

Warum überhaupt selber vorsorgen?
Die Änderung der gesetzlichen Rente..

 

Das klassische Modell der gesetzlichen Rentenversicherung geriet durch die demografische Entwicklung in Schieflage: In der gesetzlichen Rentenversicherung werden die Auszahlungen an die aktuellen Rentner aus den eben erst eingenommen Beiträgen der aktuellen Arbeitnehmer finanziert. Eine Umlagefinanzierung, keine Kapitalbildung. Dabei entsteht ein Problem, wenn immer mehr Rentner, die immer länger leben, auf immer weniger Arbeitnehmer kommen, die durch verlängerte Ausbildungszeiten eine immer kürzere Erwerbsphase haben. Im bestehenden System gibt es nur zwei Lösungen: Renten runter oder Beiträge rauf.

 

Die Antwort des Gesetzgebers war im Wesentlichen: Renten runter. Aber erst in Zukunft.

 

Die gesetzliche Leitidee seit 2005 lässt sich so beschreiben: Je jünger man ist desto mehr private Vorsorge wird von einem erwartet. Denn, je weiter in der Zukunft mein Rentenbeginn liegt desto länger muss ich arbeiten und desto weniger gesetzliche Rente habe ich zu erwarten.

Im Gegenzug wurde dafür die private Vorsorge gefördert.

 

Darüber, ob man diese Leitidee richtig findet oder wer die Nutznießer dieser Modelle sind, kann man streiten. Es ist aber der gesetzliche Rahmen, den jeder für seine private Lebensplanung zugrunde legen muss.

 

Laut des Beitrages von plusminus soll die betriebliche Altersvorsorge – einer dieser geförderten Wege der privaten Vorsorge – ein riesen Verlustgeschäft für die versicherte Person sein. Bei der Betrachtung der Rechnung in der Sendung kamen viele Fragezeichen auf. Denn recht komplexe Berechnungen schienen sehr vereinfacht und es wurden zwar viele Ergebnisse präsentiert, nicht aber die Ausgangssituation.

  • Um was für eine Versorgung handelt es sich überhaupt? Die betriebliche Altersvorsorge kennt dutzende von Spielarten.
  • Waren die steuerbereinigten 22.000 € Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge auch sozialversicherungsbereinigt?
  • Warum wählt die Dame bei ihrem sehr hohen Steuersatz, welcher nur durch hohe weitere Einkünfte entstehen kann, eine Kapitalzahlung und nicht die Rente?
  • Wie berechnet sich die Rentenkürzung von 12.000,-€?
  • Warum vergleicht man nicht die Rentenzahlung, welche man im Vertrag alternativ hätte wählen können?

Auf Nachfrage wollte man uns aus datenschutzrechtlichen Gründen keine weiteren Angaben liefern, um die aufgemachte Rechnung zu belegen bzw. genauer zu erklären. Das ist sehr schade, denn statt der pauschalen Aussage, dass betriebliche Altersvorsorge ein Minusgeschäft ist, hätte man aufzeigen können, was bei der betriebliche Altersvorsorge zu beachten ist.

Denn das Problem besteht wirklich!

Der Beitrag beruht nämlich auf einem wahren Kern: Die betriebliche Altersvorsorge hat sehr viele Probleme. Falsch gemacht, zahlt man leicht drauf.

Doch die Antwort hierauf darf nicht sein, in Schockstarre zu verfallen und gar nichts zu tun. Denn -und hier kommen wir zur gesetzlichen Leitidee von eben zurück- private Vorsorge, in welcher Form auch immer, muss heute jeder Arbeitnehmer leisten. Die gesetzliche Rente allein reicht heute für viele Neurentner schon nicht mehr. Und sie wird in Zukunft immer niedriger ausfallen. Daher ist die eigene Vorsorge unumgänglich.

Eigene Vorsorge heißt eigene Verantwortung. Der Teufel liegt dabei wie immer im Detail. So kann die betriebliche Altersvorsorge genauso gut ein schlechtes, wie ein gutes Geschäft sein.

Was sollte bei der betrieblichen Altersvorsorge beachtet werden?

 

Um eine gute bAV zu haben, gilt es vor allem folgende Dinge zu beachten:

 

1.    Die Kosten

Die Kosten von Versicherungsverträgen sind besonders in der aktuellen Niedrigzinsphase  ein entscheidender Faktor für das Ablaufergebnis. Denn was die Versicherung aus dem Vertrag vorne „raus nimmt“, kriegt sie heute durch Zinsen kaum noch „wieder rein“.

Daher vergleichen Sie! Die Kosten von Versicherungsangeboten zu vergleichen ist leider nicht leicht. Es ist die Mühe aber Wert! Und Ihr Vermittler solcher Verträge sollte dazu in der Lage sein. Zu den Kosten sind auch -und vor allem- die Provisionen zu zählen, welche leicht mehrere tausend Euro betragen. Wenn in  den ersten Jahren ein Großteil der Beiträge zur Abzahlung der Provision herangezogen werden muss, sinkt die Ablaufleistung Ihres Vertrages deutlich. Daher sind bei einem provisionsfreien Vertrag 10 % und mehr Ablaufleistung (bei gleichem Beitrag!) „locker drin“.

2.    Eine Arbeitgeberförderung

Absolut wünschenswert ist die angestrebte Arbeitgeberförderung von 15 %, wie sie das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz ab 2019 für neue Verträge vorsieht. Es gibt zwar viele Arbeitgeber, die bisher keine Förderung gezahlt haben, aber genauso gibt es auch Gegenbeispiele. Durch eine Arbeitgeberförderung wird die betriebliche Altersvorsorge deutlich renditestärker.

Darum sprechen Sie einmal mit Ihrem Arbeitgeber oder Betriebsrat über Ihre Möglichkeiten.

3.    Kapitalwahl oder Rente

Der Vorteil einer Kapitalwahl ist eine hohe Summe, die man auf einen Schlag ausbezahlt bekommt. Das führt aber zu einem hohen Steuersatz. Besonders, wenn in dem Jahr der Vereinnahmung schon ein hohes Einkommen zugrunde liegt. Bei einer Rentenzahlung sind die steuerlichen Abgaben deutlich geringer und die Rente wird ein Leben lang ausbezahlt.

Wenn es Ihnen nur darum geht, ein Kapital zum Rentenbeginn anzusparen, haben sie aber viele Möglichkeiten zur eigenen Vorsorge (z. B. auch private Bank- oder Aktiensparpläne). Diese haben teilweise deutlich bessere Renditechancen (zu natürlich höhere Risiken). Wenn Sie Ihre Rente lebenslang aufstocken wollen, führt allerdings kaum ein Weg an einer Versicherung vorbei.

Als letzten Punkt muss man noch die Wahl der Versicherung erwähnen. Denn wie viele Überschüsse eine Gesellschaft in den Jahren erwirtschaftet, ist maßgeblich für das Ergebnis. Da wir keine Glaskugel haben, ist dieser Part natürlich am Schwersten zu beeinflussen. Aber ein Blick auf die Ratings lohnt sich schon. Eine Versicherung, die heute bereits auf tönernen Füßen steht und kaum Überschüsse erwirtschaftet, wird sich wahrscheinlich auch in Zukunft schwerer tun.

Wenn diese Punkte beachtet werden, muss man bei der betrieblichen Altersvorsorge keine Bange haben und es muss einem nicht wie Frau Pflüger ergehen.

Artikel empfehlen: Email this to someone